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Geschrieben von Echo online   
Saturday, 15. May 2010

Basketball: Heidi Molitor, Hessens Jugendtrainerin des Jahres, hat beim TV Heppenheim Pionierarbeit geleistet

Heidi Molitor vom TV Heppenheim ist vom Hessischen Basketball-Verband (HBV) als Jugend-Trainerin des Jahres 2009 ausgezeichnet worden (wie berichtet). Damit wurden ihre Leistungen als Trainerin im Jugendbereich gewürdigt.

 

Im Familien-Unternehmen Molitor steht Heidi (42 Jahre) meist nicht im Rampenlicht. Eher trifft das auf Ehemann Jürgen als erfolgreichen Trainer der TVH-Basketball-Frauen, Sohn Steffen, der im Vorjahr den Sprung in die Jugendbasketball-Bundesliga schaffte, oder Tochter Maike, die dem hessischen U 15-Hessenkader angehört, zu. Mit der Auszeichnung für ihre Arbeit hat sich das geändert. Viele haben der Trainerin dazu gratuliert.

Dabei hatte alles mit den eigenen Kindern angefangen. Damit diese sich bewegen und sich sportlich betätigen, gründete Heidi Molitor eine ,,Zwergen-Trainingsgruppe" beim TVH. Mit sechs Kindern unter zehn Jahren ging es im April 2004 los. Einen Monat später waren es bereits 23, und die Mundpropaganda führte dazu, dass bald eine zweite Gruppe gebildet werden musste. Meist waren die Eltern der Basketball-Kids mit deren kleineren Geschwistern dabei, die ebenfalls mitmachen wollten. So wurde im Frühjahr 2005 die erste ,,Wichtel-Gruppe" für die unter Achtjährigen ins Leben gerufen. Der Andrang war teilweise so groß, dass die Kapazitäten in der Martin-Buber-Halle nicht ausreichten und einige Anfragen abgelehnt werden mussten.

 

Heute sind es sieben Mannschaften im TVH-Jugendbasketball, die auf dieses Engagement von Heidi Molitor zurückgehen. Die Wichtel sowie die weiblichen Mannschaften U 13 I und U 15 I trainiert sie noch selbst. Die Zwerge werden von Frank Hege betreut, die U 13 II und U 15 II von Molitors früheren Co-Trainern Sebastian Shene, Johannes Lies und Melanie Hillenbrand, die männliche U 12 von Robert Volprecht. In den übrigen Teams der männlichen Jugend stehen ebenfalls einige Spieler, die als Wichtel oder Zwerge bei Heidi Molitor angefangen haben. Und Erfolg haben ihre Mannschaften auch: Erstmals in der Vereinsgeschichte haben die Mädchen U 13 und U 15 die Bezirksmeisterschaft gewonnen, den Hessenpokal mit dem ersten und zweiten Platz abgeschlossen.

 

Hinzu kamen in den Vorjahren etliche Kreismeisterschaften. Mit Maike Molitor im U 15-Hessenkader sowie Celine Martin, Alena Kourychev und Jana Kohl im Regionalkader Südhessen wurden vier ihrer Schützlinge in Auswahlmannschaften berufen, etliche weitere in den Bezirkskader.

 

Woher kommen all die Erfolge der ,,einfachen Trainerin aus Heppenheim" (Heidi Molitor über Heidi Molitor)? Denn sie besitzt nicht einmal die Trainer-Lizenz, weil sie aus Zeitgründen die langwierige Ausbildung bislang nicht machen konnte. Molitor hat aber an mehreren Fortbildungen teilgenommen und verfügt über hinreichend sportliche Erfahrung.

 

Als Siebenjährige begann Heidi Molitor beim TVH mit dem Turnen, bevor sie mit 13 Jahren über eine Klassenkameradin zum Basketball kam. Mit 18 Jahren hatte sie zwar die ,,Nase voll" und spielte ein gutes Jahr beim VfL Heppenheim Handball. Doch der Basketball ließ die junge Frau nicht los. Über die Stationen beim Kreisligisten BSC Einhausen und beim VfL Bensheim, mit dem sie in die Landesliga aufstieg, kehrte Molitor Mitte der neunziger Jahre zum TVH zurück. Doch nach zwei Schwangerschaften und vielen Verletzungen (zwei Kreuzbandrisse, Meniskus-Operationen) wurde sie nie wieder richtig fit, spielte nur noch ein paar Jahre in der zweiten Mannschaft.

 

Die Erfahrung und die Begeisterung für den Basketball-Sport blieben ihr jedoch. Und die überträgt Heidi Molitor auf ,,ihre" Kinder. ,,So ein Training habe ich noch nicht erlebt", sagte kürzlich der Großvater eines Wichtels nach der Einheit seines Enkels in der Martin-Buber-Halle. Da steht eine Trainerin in der Halle, die schon mal streng sein kann, die Kleinen richtig fordert. Aber auch eine Frau, die weiß, dass die Kinder motiviert werden wollen, und die (fast) jeden Spaß mitmacht. ,,Und wenn es notwendig ist, bin ich auch die Glucke", scherzt Molitor, die sich auch um die Wehwehchen ihrer Schützlinge kümmert.

 

 

Doch mit Training und Betreuung bei den Spielen allein ist es nicht getan. Mit einer Reihe von Veranstaltungen sorgt Heidi Molitor für den Zusammenhalt der Jugendlichen über Mannschafts- und Altersgrenzen hinweg. ,,Das war mir immer wichtig", begründet sie. Ein Zwergen-Turnier hat sie eingeführt und eine Vereins-Olympiade, mit den eigenen Mädchen fährt sie in Freizeiten. Abteilungsfeste und Weihnachtsfeiern sind ebenfalls Standard im Jahresprogramm. Auch bei den Heppenheimer Ferienspielen wirkt sie nach Möglichkeit jedes Jahr mit. Zudem leitet Heidi Molitor Basketball-Arbeitsgemeinschaften in Kindergärten und Schulen, wie jüngst in der Heppenheimer Konrad-Adenauer-Schule.

 

Da bleibt keine Zeit mehr für andere Hobbys. Eigentlich wollte sie nach ihrer aktiven Zeit Gitarre spielen, hatte bereits einen Kurs belegt. Doch die Gitarre, die ihr Ehemann Jürgen vor Jahren schenkte, hängt längst am Haken. Der Basketball und ihre Kinder lassen sie nicht los, zumal Familie und Job auch noch unter einen Hut gebracht werden müssen. Heidi Molitor, die früher in der südhessischen Niederlassung eines Sportartikel-Herstellers als Industriekauffrau tätig war, arbeitet inzwischen in der Service-Firma ihres Mannes mit. Nur ihre Eltern in Heppenheim sieht sie viel zu selten, bedauert Heidi Molitor: ,,Meine Mutter kommt oft auf einen Kaffee zu unseren Spielen in die Halle, wenn sie mich mal wieder sehen will." Wohl der einzige Wermutstropfen im ansonsten so erfolgreichen ,,Familien-Unternehmen" Molitor.
 
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